„Gemeinsam sicher? Europas Suche nach strategischer Souveränität“
Am 4. März 2026 sprach Dr. Stefan Schubert, Leiter des Europa Zentrums Baden-Württemberg, auf Einladung der Europa-Union Kreisverband Breisgau-Markgräfler Land in Bad Krozingen über die Frage „Gemeinsam sicher? Europas Suche nach strategischer Souveränität“. In seinem Vortrag ordnete er die aktuellen sicherheitspolitischen Entwicklungen vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine, wachsender geopolitischer Rivalitäten und veränderter Prioritäten der USA ein.
Im Mittelpunkt stand die Frage, was strategische Souveränität im Verteidigungsbereich für Europa konkret bedeutet. Stefan Schubert betonte, dass es dabei nicht um vollständige Unabhängigkeit, sondern um die Fähigkeit gehe, im Ernstfall eigenständig handlungsfähig zu sein. Europa müsse dafür zentrale Fähigkeitslücken schließen, seine Rüstungsindustrie stärker koordinieren und gemeinsame Beschaffungsprojekte ausbauen. Zugleich verwies er auf strukturelle Abhängigkeiten, etwa bei Aufklärung, Weltraumtechnologie oder digitaler Infrastruktur. Dabei zeigte er auf, dass die EU mit Programmen wie PESCO, dem Europäischen Verteidigungsfonds, ASAP, EDIRPA oder SAFE zumindest finanziell beginnt, die Verteidigungsfähigkeit strukturell zu verbessern. Auch das Programm ReArm Europe und das Weißbuch zur Zukunft der europäischen Verteidigung lassen erkennen, dass die EU bestehende Schwächen erkannt hat und daran arbeitet, diese zu reduzieren.
Strategische Souveränität entstehe allerdings nicht allein durch höhere Verteidigungsausgaben, sondern durch mehr Zusammenarbeit, interoperable Systeme und eine langfristig abgestimmte europäische Sicherheitsstrategie. In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass diese Fragen nicht nur militärische, sondern auch politische und gesellschaftliche Herausforderungen wie etwa die Frage nach einer Wehrpflicht darstellen.
Bild: Europa Zentrum Baden-Württemberg

