Rückblick: Vortrag "Stresstest für Europa – Rechtspopulismus im Aufwind"
Der Vortrag „Stresstest für Europa – Rechtspopulismus im Aufwind“ am 5. Februar widmete sich den jüngsten Wahlerfolgen populistischer Parteien in mehreren europäischen Ländern und ordnete diese in einen breiteren politischen und gesellschaftlichen Kontext ein. Dr. Stefan Schubert, Geschäftsführer des Europa Zentrums Baden-Württemberg, analysierte Ursachen, Strategien und Wirkungsweisen populistischer Bewegungen und zeigte, warum sie in vielen Staaten auf wachsende Zustimmung stoßen.
Besonders hob er das mobilisierende und legitimierende Potenzial populistischer Akteure hervor. Populisten legten häufig „den Finger in die Wunde“ realer oder wahrgenommener Missstände. Diese Kritik dürfe nicht pauschal moralisch abgewertet werden, sondern müsse inhaltlich geprüft und ernst genommen werden. Zugleich warnte Schubert vor begrifflicher Unschärfe: Der Ausdruck „Rechts-Populismus“ sei analytisch oft zu grob und berge die Gefahr, auch bürgerliche und konservative demokratische Kräfte unter Generalverdacht zu stellen. Er plädierte daher für den präziseren Begriff autoritärer Populismen, die institutionelle Kontrolle schwächen und demokratische Verfahren unter Druck setzen. Veranschaulicht wurde dies anhand aktueller Entwicklungen unter anderem in Ungarn, Polen, Italien und der Slowakei.
In der anschließenden Diskussion wurden Folgen für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und den Zusammenhalt der Europäischen Union intensiv erörtert. Zum Abschluss betonte Schubert, dass die Verantwortung für demokratische Stabilität nicht allein bei Parteien und Regierungen liege. Ebenso wichtig sei die Bereitschaft jeder und jedes Einzelnen, unterschiedliche Meinungen auszuhalten, zuzuhören und im Gespräch zu bleiben. Die Veranstaltung bot damit nicht nur Analyse, sondern auch konkrete Denkanstöße für demokratisches Handeln im Alltag.

