Die Rolle Deutschlands in der EU – Vortrag an der Volkshochschule Göppingen-Schurwald
Am 6. März 2026 eröffnete Dr. Stefan Schubert, Leiter des Europa Zentrums Baden-Württemberg, das Semester der VHS Göppingen und Schurwald mit dem Vortrag „Die Rolle Deutschlands in der EU – Führung wider Willen?“. Vor dem Hintergrund globaler Krisen – vom russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine über die wirtschaftliche Stärke Chinas bis hin zu Energieabhängigkeiten und einem brüchiger werdenden transatlantischen Verhältnis – sprach Schubert vom Ende langjähriger politischer Gewissheiten.
Er analysierte die Europapolitik der Bundesregierung und den im Koalitionsvertrag formulierten Anspruch, Europa konstruktiv zu gestalten, etwa durch die Stärkung europäischer Grundwerte, mehr Wettbewerbsfähigkeit und größere europäische Souveränität. Zugleich zeigte ein „Realitätscheck“, dass ambitionierte Ankündigungen nicht immer sofort politische Ergebnisse hervorbringen – etwa bei der Nutzung eingefrorener russischer Vermögen für die Ukraine oder beim Abschluss des Mercosur-Abkommens.
Sicherheitspolitisch wachse jedoch die Verantwortung Deutschlands: Mit Verteidigungsausgaben von 107,3 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 und einem Ziel von 3,5 % des BIP bis 2029 nehme die Bundesrepublik eine neue Rolle ein. Für eine echte Führungsrolle in Europa brauche es jedoch mehr als finanzielle Mittel: eine überzeugende Vision für die Zukunft der EU, die Fähigkeit zu Allianzen und Kompromissen sowie die Bereitschaft, nationale Interessen zugunsten europäischer Lösungen zurückzustellen.

